Städte der Provence

Aigues-Mortes

 

Eine mittelalterliche Mauer mit Stadt

Aigues-Mortes liegt in der Camargue, nur wenige Kilomter vom Mittelmeer entfernt. Die Stadtmauer von Aigues-Mortes ist genau 1634 Meter lang und elf Meter hoch. Sie ist ein recht beliebtes Fotomotiv. Auch auf Postkarten sieht man meist den Blick auf Aigues-Mortes mit der beeindruckenden Stadtmauer im Vordergrund des Bildes.

Der historische Stadtkern von Aigues-Mortes

Das historische Zentrum wirkt insgesamt etwas schlichter als man es vielleicht von einer mittelalterlichen Stadt annimmt. Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten im Ortskern sind die gotische Kirche Notre-Dame-des-Sablons, die Chapelle des Penitents Gris in der Rue Paul Bert und der Place Saint Louis, der durch die große Bronzefigur von Ludwig IX. dominiert wird.

Die Stadt wird in der Urlaubersaison fast überrannt. Man mag es kaum glauben, dass die offizielle Einwohnerzahl deutlich unter 10000 liegt. Da es nur wenige Wohnhäuser gibt, die auch nur maximal 3 Etagen aufweisen, könnten hier allerdings auch kaum mehr Menschen wohnen.

 

Eine Hafenstadt ohne Meer

Tote Wasser - so würde man den Namen der Stadt Aigues-Mortes übersetzen. Der Name beruht auf den damals zur Gründungszeit reichlich vorhandenen Sümpfen in der Umgebung der Stadt. Er hat irgendwo seine Berechtigung behalten. In alten Schriften und Büchern wird Aigues-Mortes als Hafenstadt aufgeführt. Aber wo ist das Meer geblieben, das einst an die Stadt grenzte? Bereits vor über 700 Jahren ist der Hafen versandet. Die sich ausdehnende Camargue
hat das Wasser verdrängt und irgendwann hat der Hafen von Aigues-Mortes als solcher keinerlei Bedeutung mehr gehabt. Der Hafen, in dem einst die Kreuzfahrerflotte des heiligen Ludwig vor Anker lag, musste einer kargen Sumpflandschaft weichen.

Heute liegt die Entfernung zwischen Stadt und Mittelmeer bei etwa 6 Kilometer . Die Verbindung ist aber durch einen Kanal gewährleistet.

 

Turm der Beständigkeit

Ludwig der Heilige - Gründer von Aigues-Mortes

Ludwig IX., auch der Heilige genannt, gründet die Stadt. Der Ort wurde maßgeblich zu dem Zweck errichtet, einen Hafen zum Einschiffen von
Kreuzfahrern ins Heilige Land zu besitzen. Aigues-Mortes wurde schnell, wehrhaft und geradlinig angelegt. Gerade diese strukturierte und fast rechtwinklige Anordnung von Wegen und Gassen war für eine von Rittern dominierte mittelalterliche Stadt ansonsten sehr unüblich. Aber schon wenige Jahrhunderte nach ihrer Gründung war Aigues-Mortes keine Ritterstadt und auch keine Hafenstadt mehr.

Der König selbst unternahm 2 Kreuzzüge, von denen keiner wirklich erfolgreich war. Während des 2. Kreuzzuges wurde er, wie viele seiner Mitstreiter, von der Pest hinweggerafft.

Der Verlauf der Geschichte und das ungesunde Klima in dem sumpfigen Gelände der Camargue beschleunigte den Stillstand und Niedergang von Aigues-Mortes, so dass die Stadt keine Weiterentwicklung durchlief.

Tour de Constance - der Turm der Beständigkeit

Turm der Beständigkeit, so wird der Wehrturm von Aigues-Mortes genannt. Ludwig IX. ließ ihn in den Jahren von 1242 bis 1254 erbauen. Bei einer Mauerdicke von sechs Meter besitzt er einen Durchmesser von 22 Meter und eine Höhe von 33 Meter. Der Turm der Beständigkeit ist weithin sichtbar und dominiert neben der Stadtmauer das Erscheinungsbild von Aigues-Mortes. Über viele Jahrhunderte hinweg diente der Turm als Gefängnis.

 

Hinweise und Tipps

1730 wurde eine Hugenottin, Marie Durand, wegen ihres Glaubens im Tour de Constance in Aigues-Mortes für 38 Jahre eingekerkert. Ihr Schicksal wurde von der Schriftstellerin Gertrud von le Fort 1957 in ihrem Buch "Der Turm der Beständigkeit" verewigt. Das Buch fand den Weg in die Weltliteratur.